{"id":2882,"date":"2023-01-24T14:43:15","date_gmt":"2023-01-24T14:43:15","guid":{"rendered":"https:\/\/zukunft-der-demokratie.berlin\/?p=2882"},"modified":"2023-01-27T17:08:42","modified_gmt":"2023-01-27T17:08:42","slug":"gechippt-und-versklavt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zukunft-der-demokratie.berlin\/zeitreisen\/gechippt-und-versklavt\/","title":{"rendered":"geCHIPpt und versklavt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Ein Zeitreise-Bericht der 12. Klasse des OSZ Lotis vom 5. bis 6.12.2022\f<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/zukunft-der-demokratie.berlin\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1-Gechippt-und-Versklavt.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2922\" width=\"311\" height=\"297\" srcset=\"https:\/\/zukunft-der-demokratie.berlin\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1-Gechippt-und-Versklavt.png 438w, https:\/\/zukunft-der-demokratie.berlin\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1-Gechippt-und-Versklavt-300x286.png 300w\" sizes=\"(max-width: 311px) 100vw, 311px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Deutschland im Jahre 2045<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Lebensrealit\u00e4t der Menschen im Jahr 2045 sieht sehr unterschiedlich aus: Die einen sehr reich, die anderen sehr arm.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Armen verdingen sich als (Lohn-) Sklaven, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu k\u00f6nnen. Die Reichen leben daf\u00fcr in Saus und Braus.<\/p>\n\n\n\n<p>Augenscheinlich ist die Gesellschaft nach wie vor demokratisch organisiert. Protest der \u00e4rmeren Menschen ist m\u00f6glich, wird aber meist schnell unterdr\u00fcckt. Deshalb h\u00e4lt sich dieses System auch schon eine Weile, obwohl viele Menschen ganz und gar nicht damit einverstanden sind, wie sie leben m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch&#8230; Wie schaffen es die Reichen, die Armen in ihre Schranken zu weisen? Haben sie vielleicht eine Art Allzweckwaffe gegen unbequeme St\u00f6rgeister?<\/p>\n\n\n\n<hr><hr>\n\n\n\n<p><strong>1. Akt: Im Penthouse<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"alignright is-resized\" style=\"border: 1px solid\"><strong>&nbsp;Handelnde Personen:&nbsp;&nbsp;<\/strong>\n<p><\/p><ul>\n<li>Maxime \u2013&nbsp;Reiche&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Melissa \u2013&nbsp;Reiche&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Tom \u2013&nbsp;Armer Bediensteter&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Tim \u2013&nbsp;Armer Bediensteter&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n\n\n\n<p><em>Tim und Tom putzen die Fenster im Penthouse. Die beiden Reichen Maxime und Melissa sitzen auf dem Sofa, trinken Tee und unterhalten sich. Auf einmal h\u00f6rt Tim auf zu putzen und spricht Tom an.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Tim: Sag mal, Tom. Wir werden hier total schlecht behandelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Tom (<em>\u00fcberrascht<\/em>): Ja, und? Was willst du machen?<\/p>\n\n\n\n<p>Tim (<em>verzweifelt<\/em>): Ich halte das nicht mehr aus. Ich sag jetzt was.<\/p>\n\n\n\n<p>Tom (<em>zweifelnd<\/em>): Ist das wirklich eine gute Idee? Na okay, aber dann lass mich machen. Ich bin diplomatischer.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Tom geht zu Maxime und Melissa und spricht sie an.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Tom: Entschuldigung, wir wollten mal was loswerden. Also\u2026 (<em>druckst herum<\/em>) Was wir sagen wollten, ist\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Tim (<em>platzt dazwischen<\/em>): Also, was der Junge sagen m\u00f6chte, ist, ihr bezahlt uns erb\u00e4rmlich schlecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Tom: Ja, genau!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Maxime stellt die Teetasse ab und blickt die beiden absch\u00e4tzig an.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Maxime (<em>abf\u00e4llig<\/em>): Wir bezahlen euch \u201eerb\u00e4rmlich schlecht\u201c? Ihr bekommt 0,5 Prozent von unserem Gehalt! Was ist daran erb\u00e4rmlich?<\/p>\n\n\n\n<p>Tom (<em>beschwichtigend<\/em>): Wir sind nat\u00fcrlich dankbar, aber Sie m\u00fcssen auch verstehen\u2026 Ich muss doch meine zwei Frauen bezahlen. Das reicht nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Tim: Genau! Das ist voll unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig!<\/p>\n\n\n\n<p>Melissa (<em>vermittelnd<\/em>): Versetzt euch doch mal in unsere Lage. Wenn wir euch mehr geben, wovon sollen <em>wir<\/em> dann leben?<\/p>\n\n\n\n<p>Tim (<em>fassungslos<\/em>): Selbst bei einer Verdopplung unseres Gehalts w\u00fcrden 99 % \u00fcbrig bleiben! Merkt ihr \u00fcberhaupt noch was?<\/p>\n\n\n\n<p>Melissa (<em>deeskalierend<\/em>): Also <em>ich<\/em> merke, die Situation eskaliert gerade ein bisschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Tom: Wir sind die besten Sklaven, wir machen total den guten Job.<\/p>\n\n\n\n<p>Maxime (<em>steht auf und wird laut<\/em>): Das ist halt euer Leben! Ihr m\u00fcsst dankbar sein! Ihr kriegt \u00fcberhaupt Geld. Und ihr werdet besser bezahlt als alle anderen Sklaven!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Alle schreien durcheinander, es wird laut. Maxime nimmt eine Fernbedienung in die Hand und h\u00e4lt sie drohend \u00fcber ihren Kopf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Tim (<em>schreit<\/em>): Nicht die Fernbedienung!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Maxime dr\u00fcckt einen Knopf auf der Fernbedienung. Ein Alarmton erklingt und die beiden Sklaven werden auf einmal still. Sie stehen ganz reglos da, mit aufgerissenen Augen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Maxime: Na geht doch. (<em>im Befehlston<\/em>) Und jetzt geht die Drohnen putzen!<\/p>\n\n\n\n<p>Tim und Tom (<em>zusammen<\/em>): Jawohl, wird gemacht! (<em>gehen davon<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>Melissa (<em>traurig<\/em>): War das wirklich n\u00f6tig? Die Armen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Maxime (<em>emp\u00f6rt<\/em>): Genau, diese Armen heutzutage, also wirklich! So aufm\u00fcpfig. Immer wieder braucht man die Fernbedienung. Tz tz tz..<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die beiden setzen sich wieder hin und trinken weiter Tee. Der Nachmittag ist gerettet.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n\n\n\n<p><strong>2. Akt: <strong>Im Bundestag<\/strong><\/strong> <\/p>\n\n\n\n<div class=\"alignright is-resized\" style=\"border: 1px solid\"><strong>&nbsp;Handelnde Personen:&nbsp;&nbsp;<\/strong><p>\n<\/p><ul>\n<li>Lara Berlin \u2013&nbsp;Bundeskanzerlin&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Petra Rau \u2013&nbsp;Bundestagspr\u00e4sidentin&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Reiches Publikum&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Armes Publikum&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n\n\n\n<p><em>Die Bundeskanzlerin Lara Berlin h\u00e4lt eine Rede zur Verbesserung der Lage der \u00e4rmeren Bev\u00f6lkerung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Lara Berlin: Guten Tag, liebe Abgeordnete, Frau Bundespr\u00e4sidentin, verehrtes Publikum. Die momentane Lage ist zugespitzt. Die Reichen werden immer reicher.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Reichen im Publikum applaudieren und johlen laut.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Lara Berlin (<em>ans Publikum<\/em>): Ja, dass Sie das freut, liebe Reiche, ist klar. (<em>liest wieder ab<\/em>) Die Armen werden aber immer \u00e4rmer. Nichtsdestotrotz: Ich als Bundeskanzlerin setze mich f\u00fcr eine Verbesserung ein. Die Viertel der Armen werden ausgebaut. Die Investitionen sind um 50 Prozent gestiegen. Wir geben uns sehr viel M\u00fche.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Aus dem armen Teil des Publikums kommen immer wieder Unmutsbezeugungen, die die Bundeskanzlerin unterbrechen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Lara Berlin: Bitte, bitte, lassen Sie mich ausreden. Die Verbesserungen, die wir erreicht haben: Im Wasser der Armen ist kein Schimmel mehr. Da bin ich als Bundeskanzlerin pers\u00f6nlich dran. Das ist mir wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Rufe aus dem armen Teil des Publikums werden immer lauter: \u201eSo ein Schwachsinn! Ihr versklavt uns! So geht das nicht weiter!\u201c Die Bundeskanzlerin kommt nicht mehr zu Wort.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Petra Rau (<em>haut mit einem Hammer auf den Tisch<\/em>): Ich bitte um Ruhe! Wir sind hier im Bundestag, da rufen Sie nicht einfach rein!<\/p>\n\n\n\n<p>Armer Mann (<em>emp\u00f6rt<\/em>): Ach ja? Und die Reichen d\u00fcrfen, oder was?<\/p>\n\n\n\n<p>Petra Rau: Bitte beruhigen Sie sich, sonst m\u00fcssen wir Sie rauswerfen lassen oder andere Ma\u00dfnahmen ergreifen! (<em>zu Frau Berlin<\/em>) Frau Bundeskanzlerin, bitte!<\/p>\n\n\n\n<p>Lara Berlin: Also. Es wird immer besser. Die Reichen werden immer reicher. Die Investitionen steigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Armes Publikum (<em>ruft herein<\/em>): So geht das doch nicht. Ihr versklavt meine Kinder!<\/p>\n\n\n\n<p>Lara Berlin: Wir ergreifen Ma\u00dfnahmen, die Investitionen steigern wir.<\/p>\n\n\n\n<p>Armes Publikum (<em>w\u00fctend<\/em>): Ja komm zum Punkt! Hier \u00e4ndert sich doch nichts! Das System ist kaputt!<\/p>\n\n\n\n<p>Petra Rau (<em>schreit<\/em>): Wenn ihr nicht sofort Ruhe gebt, muss ich\u2026 werde ich\u2026 (<em>dr\u00fcckt einen Knopf auf einer Fernbedienung.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein lauter Alarmton erklingt, die Armen verstummen sofort und starren wie blind ins Leere.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Petra Rau (<em>beruhigt sich<\/em>): Endlich ist Ruhe. Also, Frau Bundeskanzlerin, fahren Sie fort.<\/p>\n\n\n\n<hr>\n\n\n\n<p><strong>3. Akt: In der Schule<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"alignright is-resized\" style=\"border: 1px solid\"><strong>&nbsp;Handelnde Personen:n&nbsp;&nbsp;<\/strong><p>\n<\/p><ul>\n<li>Stefanie&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Erkan&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Peter&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Paul&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n\n\n\n<p><em>Vier \u00e4rmere Sch\u00fcler diskutieren \u00fcber die gestrige Rede von Lara Berlin.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Stefanie: Leute, habt ihr auch die neueste Folge bei Netflix gesehen? Im Bundestag?<\/p>\n\n\n\n<p>Erkan: Ja, man!<\/p>\n\n\n\n<p>Peter: Bro, heftig. Ich muss das auch noch verarbeiten. Jeder sollte doch das Recht haben, seine Meinung frei zu \u00e4u\u00dfern, oder?<\/p>\n\n\n\n<p>Stefanie: Ich hoffe, das h\u00f6rt niemand, der es nicht h\u00f6ren sollte. (<em>schaut sich verstohlen um<\/em>) Ich meine, ich bin auch kein gro\u00dfer Fan von der AfD und so, aber\u2026 Dieser Herr, der da einfach so eliminiert wurde\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Paul: Eliminiert? Was hei\u00dft das denn?<\/p>\n\n\n\n<p>Peter (<em>erkl\u00e4rt geduldig<\/em>): Ja, also, wei\u00dft du, die Reichen haben anscheinend alle Armen gechippt. Niemand wei\u00df, wie das passiert ist, aber wir haben alle einen Chip in uns.<\/p>\n\n\n\n<p>Paul (<em>ungl\u00e4ubig<\/em>): Waaaas?<\/p>\n\n\n\n<p>Peter: Und die haben eine Fernbedienung, wenn die die dr\u00fccken, vergessen wir, wer wir sind, wo wir sind und was gerade passiert ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Stefanie: Damit haben die voll die Kontrolle \u00fcber uns!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Alle sitzen kopfsch\u00fcttelnd da.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Erkan (<em>verschw\u00f6rerisch<\/em>): Das ist noch so eine Sache. Ich wei\u00df nicht, ob ich das sagen darf\u2026 Ich war im Stadtgef\u00e4ngnis zu Besuch. Und\u2026 Ich habe einen der legend\u00e4ren Chipdetainer.<\/p>\n\n\n\n<p>Stefanie (<em>entsetzt, aber euphorisch<\/em>): Was, wirklich? Du kannst die Chips entfernen?<\/p>\n\n\n\n<p>Erkan (<em>nickt<\/em>): Ich kann die Chips entfernen. Aber eigentlich ist das nat\u00fcrlich verboten.<\/p>\n\n\n\n<p>Stefanie: Alter, bitte entferne unsere Chips! (<em>h\u00e4lt seinen Arm nach vorn<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>Erkan (<em>springt triumphierend auf<\/em>): Aha, da haben wir also unsere Verr\u00e4terin! (<em>holt eine Fernbedienung hervor und dr\u00fcckt einen Knopf.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wieder der Alarmton. Stefanies Blick wird leer, Paul und Peter schauen entsetzt. Erkan steht auf und f\u00fchrt Stefanie ab. Er war wohl ein Spion f\u00fcr die Reichen und hat nach Aufst\u00e4ndischen gesucht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Zeitreise-Bericht der 12. Klasse des OSZ Lotis vom 5. bis 6.12.2022\f Deutschland im Jahre 2045 Die Lebensrealit\u00e4t der Menschen im Jahr 2045 sieht sehr unterschiedlich aus: Die einen sehr reich, die anderen sehr arm. Die Armen verdingen sich als (Lohn-) Sklaven, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu k\u00f6nnen. 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