{"id":2878,"date":"2023-01-25T14:02:12","date_gmt":"2023-01-25T14:02:12","guid":{"rendered":"https:\/\/zukunft-der-demokratie.berlin\/?p=2878"},"modified":"2023-01-27T17:07:49","modified_gmt":"2023-01-27T17:07:49","slug":"volk-vs-werte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zukunft-der-demokratie.berlin\/zeitreisen\/volk-vs-werte\/","title":{"rendered":"Volk vs. Werte"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Ein Zeitreise-Bericht der 12. Klasse des OSZ Lotis vom 5. bis 6.12.2022<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/zukunft-der-demokratie.berlin\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/4-Volk-vs-Werte.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2982\" width=\"347\" height=\"347\" srcset=\"https:\/\/zukunft-der-demokratie.berlin\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/4-Volk-vs-Werte.png 800w, https:\/\/zukunft-der-demokratie.berlin\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/4-Volk-vs-Werte-300x300.png 300w, https:\/\/zukunft-der-demokratie.berlin\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/4-Volk-vs-Werte-150x150.png 150w, https:\/\/zukunft-der-demokratie.berlin\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/4-Volk-vs-Werte-768x768.png 768w\" sizes=\"(max-width: 347px) 100vw, 347px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Deutschland im Jahre 2045<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 2045 gibt es auf der politischen Landfl\u00e4che nur noch zwei bedeutende Parteien:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022&nbsp;Die <strong>Volkspartei<\/strong>, die alle politischen Fragen \u00fcber Volksentscheide kl\u00e4ren will und der das Grundgesetz dabei im Weg steht,<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 und die <strong>Wertepartei<\/strong>, die auf der Einhaltung des Grundgesetzes pocht und f\u00fcr die Freiheiten und Rechte aller Gruppen, besonders der Minderheiten, pl\u00e4diert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gesellschaft ist anhand dieser Frage gespalten. Wer auf der einen oder anderen Seite steht, erkennt man schon am Aussehen, da alle Anh\u00e4nger einer Partei entweder ein <strong>V<\/strong> oder ein <strong>W<\/strong> auf ihrer Kleidung tragen.<\/p>\n\n\n\n<hr><hr>\n\n\n\n<p><strong>1. Akt: Politische Diskussion<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"alignright is-resized\" style=\"border: 1px solid\"><strong>&nbsp;Handelnde Personen:&nbsp;&nbsp;<\/strong>\n<p><\/p><ul>\n<li>Janet Jaman \u2013&nbsp;Politikerin der Wertepartei&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Nero Norman \u2013&nbsp;Politiker der Volkspartei&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n\n\n\n<p><em>Eine Fernsehdiskussion zweier Bundespolitiker. Sie sitzen in bequemen Sesseln um einen Tisch.<\/em> <em>Janet Jaman hat ein gro\u00dfes <strong>W<\/strong> an ihrem Blazer, Nero Norman ein gro\u00dfes <strong>V<\/strong> an seiner Krawatte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nero Norman (<em>selbstsicher<\/em>): \u2026 Ich hingegen glaube aber, das Grundgesetz sollte abgeschafft werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Janet Jaman (<em>entsetzt<\/em>): Was? Meinen Sie das ernst? Aber es enth\u00e4lt unsere wichtigsten Grundregeln!<\/p>\n\n\n\n<p>Nero Norman (<em>ruhig<\/em>): Es mag so sein, dass es wichtige Regeln enth\u00e4lt, es blockiert aber auch den Volkswillen.<\/p>\n\n\n\n<p>Janet Jaman (<em>holt ein Grundgesetz aus der Tasche und wedelt damit herum<\/em>): Das Grundgesetz sichert erst die Grundrechte aller Menschen, die Menschenrechte!<\/p>\n\n\n\n<p>Nero Norman (<em>l\u00e4chelt nur<\/em>): Es steht aber dem Volkswillen entgegen. Wenn zum Beispiel die Menschen f\u00fcr die Todesstrafe sind, aber das Grundgesetz das nicht erlaubt, ist das gegen den Volkswillen!<\/p>\n\n\n\n<p>Janet Jaman (<em>fassungslos<\/em>): Die Todesstrafe ausgerechnet!? Was ist mit dem Recht auf Leben? Auf k\u00f6rperliche Unversehrtheit? Das steht alles hier drin! (<em>haut mit dem Grundgesetz mehrmals auf den Tisch<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>Nero Norman (<em>besonnen<\/em>): Meine Liebe, was regen Sie sich denn so auf? Haben Sie etwa Angst vor dem, was unser Volk denkt? Wir von der Volkspartei m\u00f6chten ja in jeder wichtigen Frage das Volk entscheiden lassen, per Volksentscheid. (<em>macht grinsend ein Victory-Zeichen mit den Fingern zur Kamera<\/em>) V wie Volk, V wie Vertrauen, V wie Volk.<\/p>\n\n\n\n<p>Janet Jaman (<em>erregt<\/em>): Was ist denn mit dem Minderheitenschutz? Die Mehrheit darf nicht einfach auf Kosten der Minderheiten entscheiden. Das geh\u00f6rt auch zur Demokratie!<\/p>\n\n\n\n<p>Nero Norman: An diesem Punkt sind wir wohl einfach unterschiedlicher Meinung, meine Liebe. Lassen wir das Volk entscheiden. V wie Volk! (<em>macht wieder ein V-Zeichen in Richtung Kamera<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Diskussion geht noch weiter, doch dies waren die wichtigsten Punkte, \u00fcber die sich auch die Menschen an den folgenden Tagen noch unterh\u00e4lt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n\n\n\n<p><strong>2. Akt: <strong>Im Park<\/strong><\/strong> <\/p>\n\n\n\n<div class=\"alignright is-resized\" style=\"border: 1px solid\"><strong>&nbsp;Handelnde Personen:&nbsp;&nbsp;<\/strong><p>\n<\/p><ul>\n<li>Viktor \u2013&nbsp;Anh\u00e4nger der Volkspartei&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Wilhelm \u2013&nbsp;Anh\u00e4nger der Wertepartei&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Peter \u2013&nbsp;Parteiloser&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n\n\n\n<p><em>Viktor und Wilhelm sind zwar politisch nicht einer Meinung, aber schon lange befreundet. Sie treffen sich immer wieder zum Spazierengehen und tauschen sich dabei aus. So auch heute im Park. Viktor tr\u00e4gt eine M\u00fctze mit einem gro\u00dfen \u201e<strong>V<\/strong>\u201c und Wilhelm hat einen gro\u00dfen Anstecker mit einem \u201e<strong>W<\/strong>\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Viktor: Mensch Wilhelm, hast du den Streit gestern gesehen? Zwischen Jaman und Norman?<\/p>\n\n\n\n<p>Wilhelm: Klar Viktor, ist doch in allen Kan\u00e4len. Alle Influencer reden dar\u00fcber. Was h\u00e4ltst du denn davon? Du liebst doch diesen Norman, oder? (<em>grinst<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>Viktor (<em>genervt<\/em>): Komm, mach dich nicht lustig. Ich finde ja blo\u00df, er sagt manchmal gute Sachen. Und f\u00fcr die Volkspartei bin ich ja eh. Er hat doch zum Beispiel Recht, dass der Volkswille das h\u00f6chste Gut sein sollte in einer Demokratie.<\/p>\n\n\n\n<p>Wilhelm: Das ist doch nur ein Teil der Demokratie. Die Janet Jaman hat doch gut geantwortet mit dem Minderheitenschutz. Was sagst du denn dazu?<\/p>\n\n\n\n<p>Viktor (<em>\u00fcberlegt kurz<\/em>): Naja, wenn sich die Minderheiten vern\u00fcnftig benehmen, hat ja die Mehrheit auch nichts gegen sie. Dann haben die nichts zu bef\u00fcrchten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wilhelm: Das w\u00fcrdest du nicht so sehen, wenn du zu einer Minderheit geh\u00f6ren w\u00fcrdest\u2026 Denkst du denn wirklich, die Todesstrafe sollte wieder eingef\u00fchrt werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Viktor: Nur, wenn die Mehrheit der Deutschen das will. So ist das halt mit dem Volksentscheid. 100-prozentig Demokratie!<\/p>\n\n\n\n<p>Wilhelm: Aber du kannst doch nicht ernsthaft glauben, dass\u2026 (<em>unterbricht sich selbst<\/em>) Siehst du das? (<em>deutet auf einen Spazierg\u00e4nger<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>Viktor: Hm? (<em>schaut auf<\/em>) Oje! Was will der denn hier?<\/p>\n\n\n\n<p>Peter (<em>verwundert<\/em>): Hallo? Sprechen Sie mit mir?<\/p>\n\n\n\n<p>Wilhelm: Ey, du, zu welcher Partei geh\u00f6rst du? Wo ist dein W?<\/p>\n\n\n\n<p>Viktor: Oder dein V?<\/p>\n\n\n\n<p>Peter (<em>trotzig<\/em>): Hab ich nicht. Weder noch.<\/p>\n\n\n\n<p>Wilhelm: Wie jetzt, zu welcher Partei geh\u00f6rst du denn dann?<\/p>\n\n\n\n<p>Peter (<em>richtet sich stolz auf<\/em>): Zu keiner! Beide Parteien repr\u00e4sentieren mich nicht. Ich bin f\u00fcr mehr Parteienvielfalt, wie fr\u00fcher. Au\u00dferdem habe ich ein Recht darauf, parteilos zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Viktor und Wilhelm schauen sich an, hauchen gleichzeitig laut \u201e<\/em><strong>Parteilos!<\/strong><em>\u201c und ziehen die Augenbrauen hoch. Dann blicken sie wieder Peter an.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wilhelm (<em>lockend<\/em>): Ey komm, du bist doch auch f\u00fcr Demokratie und Menschenrechte. Komm zur Wertepartei! Hier, ich hab \u2018nen Anstecker f\u00fcr dich.<\/p>\n\n\n\n<p>Viktor (<em>lauter<\/em>): Ach Quatsch, du bist doch f\u00fcr die Volkspartei, die spricht auch f\u00fcr dich! Komm, ich hab&#8216; einen Sticker f\u00fcr dich.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die beiden gehen auf Peter zu, der weicht langsam zur\u00fcck.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Peter (<em>abwehrend<\/em>): Hey, ich will das nicht! Ihr sollt mich beide in Ruhe lassen!<\/p>\n\n\n\n<p>Viktor und Wilhelm (<em>durcheinander<\/em>): Komm zu uns, komm schon! F\u00fcr die Demokratie! Komm schon!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Peter dreht sich um und rennt weg. Viktor und Wilhelm zucken die Achseln, stecken die H\u00e4nde in die Taschen und gehen weiter.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n\n\n\n<p><em>Parteilos zu sein ist also noch schlimmer als von der jeweils anderen Partei zu sein. So kann es also auch gehen. Ist das die Zukunft, die vor uns liegt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Zeitreise-Bericht der 12. 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