{"id":2620,"date":"2022-11-13T12:32:06","date_gmt":"2022-11-13T12:32:06","guid":{"rendered":"https:\/\/zukunft-der-demokratie.berlin\/?p=2620"},"modified":"2022-11-14T18:08:11","modified_gmt":"2022-11-14T18:08:11","slug":"getrennte-einheitsgesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zukunft-der-demokratie.berlin\/zeitreisen\/getrennte-einheitsgesellschaft\/","title":{"rendered":"Getrennte Einheitsgesellschaft"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\"><em><em><em>Ein Zeitreise-Bericht der Klasse 9.4 des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums vom 23. September 2022<\/em><\/em><\/em><\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n\n\n<p><strong>Wir schreiben das Jahr 2045<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Deutschland im Jahr 2045. Erneut hat die DEP, die Deutsche Einheitspartei, den Wahlsieg errungen. Unternehmer unterst\u00fctzen seit Jahren die DEP finanziell. Als Gegenleistung verfolgt die DEP eine Politik im Interesse der Unternehmer und zum Nachteil der allgemeinen Bev\u00f6lkerung. Der Schein der Demokratie wird durch allj\u00e4hrliche Wahlen erzeugt. Die DEP garantiert der Unternehmerclique, dass die Trennung der Armen und Reichen in allen Lebensbereichen aufrechterhalten wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wohngegenden der Wohlhabenden sind von denen der sozial Schw\u00e4cheren durch Sperrz\u00e4une getrennt. Es herrscht eine Sperrstunde f\u00fcr die \u00e4rmeren Menschen ab 20 Uhr. Die Herstellung von VR-Ger\u00e4ten wird subventioniert, sodass auch Menschen mit geringen Eink\u00fcnften sich die Technik leisten und viel Zeit in der virtuellen Welt verbringen k\u00f6nnen. Auf diese Weise kann die DEP das Aufkommen von Kritik an den Verh\u00e4ltnissen im Keim ersticken. <\/p>\n\n\n\n<p>Der von den Medien kontinuierlich propagierte Mythos des sozialen Aufstiegs f\u00fcr jeden f\u00fchrt zudem dazu, dass der Gro\u00dfteil der \u00e4rmeren Bev\u00f6lkerung daran glaubt, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis auch sie Teil der wohlhabenden Gesellschaftsschicht sind und dem Elend entkommen. Trotz der Propaganda und der Techniksucht gibt es eine kleine regierungskritische Bewegung, die an den Mythos des sozialen Aufstiegs nicht glaubt und die Regierung st\u00fcrzen will. Sie sind der Auffassung, dass sie von Plastikmenschen regiert werden. Noch kann die Staatsgewalt die Protestierenden mit Drohungen und Bewachungstechniken einsch\u00fcchtern und das Wachsen der Bewegung eind\u00e4mmen.<\/p>\n\n\n\n<hr><hr>\n\n\n\n<p><strong>Eine Szene, die sich im Jahre 2045 zugetragen hat\u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Akt: <strong>Im Studio <\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"alignright is-resized\" style=\"border: 1px solid\"><strong>&nbsp;Handelnde Personen:&nbsp;&nbsp;<\/strong>\n<p><\/p><ul>\n<li>Frau Thom &#8211; Moderatorin&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Frau Gerck &#8211; Interviewte&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Herr Lindell &#8211; Unternehmer&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Frau Thom: Willkommen zu \u201eDas Beste\u201c- die unabh\u00e4ngigste und seri\u00f6seste Show von ganz Deutschland. Kommen wir zu den News. Unser Bundeskanzler, Herr Blog, hat angek\u00fcndigt, die Fleischrechte zu versch\u00e4rfen. Die Fleischproduktion wird eingeschr\u00e4nkt. Nun werden nur noch alle f\u00fcnf Monate, statt alle zwei Monate, Fleisch an die Superm\u00e4rkte geliefert. Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Wahlergebnisse haben uns erreicht. Mit 95&nbsp;% hat die DEP es wieder geschafft und sich den Sieg geholt. Dazu haben wir Frau Gerck eingeladen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Frau Gerck spaziert in das Studio herein und redet derweil noch am Handy.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Frau Gerck (<em>ihrem Schatzi am Phone erz\u00e4hlend<\/em>): Ja, das ist ja wirklich mega cringe. Aber \u00fcbrigens, ich habe mir meine Haare gef\u00e4rbt. Die sehen jetzt so geil aus! Aber sorry, ich muss jetzt auflegen. Bin hier in irgendeiner Talkshow eingeladen. Wir sprechen dann einfach sp\u00e4ter noch mal, okay?&nbsp;Bye!<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Thom: Frau Gerck ist ein gutes Beispiel, wie schnell der Aufstieg in unserer Gesellschaft gelingen kann. Sie steht f\u00fcr viele weitere Menschen in unserer Gesellschaft, die sich dank der DEP zur Oberschicht z\u00e4hlen k\u00f6nnen. Also, Frau Gerck, wie f\u00fchlen Sie sich nach dem Erfolg Ihrer Partei?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Gerck: Ja, das ist nat\u00fcrlich super. Mit 95\u00a0Prozent, das muss man sich mal \u00fcberlegen. Und an dieser Stelle m\u00f6chte ich mich auch ganz, ganz herzlich bei der DEP bedanken, weil ich es durch sie geschafft habe, vom \u00e4rmeren Teil der Gesellschaft zum reichen Teil der Gesellschaft aufzusteigen. Ein herzliches Dankesch\u00f6n!<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Thom: Und wie sehen Ihre Ziele f\u00fcr die Zukunft aus?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Gerck: Ja, die Ziele. Dar\u00fcber habe ich mir noch gar nicht so richtig Gedanken gemacht. Nat\u00fcrlich m\u00f6chte ich \u2013 was ja auch die Aufgabe der DEP ist &#8211; den Menschen helfen und die DEP an der Spitze behalten. Aber mal gucken, was die Weltgeschichte sonst noch so zu bieten hat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Thom: Sehr interessant.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Gerck (<em>auf ihr Phone schauend<\/em>): Oh mein Gott, dieser Trend ist so geil.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Thom: So viel zur DEP, die vertrauensw\u00fcrdigste Partei. Danke Frau Gerck und auf Wiedersehen. Und auch auf Wiedersehen an Sie, liebe Zuschauer, wir sehen uns morgen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Kamerafrau winkt: Die Aufnahme f\u00fcr die Nachrichtensendung ist vorbei. Frau Gerck geht, ohne sich zu verabschieden, und plappert weiter in ihr Telefon. Der Unternehmer Herr Lindell geht auf Moderatorin Frau Thom zu.<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Herr Lindell: Okay, Frau Thom, die Million Euro f\u00fcr die Parteiwerbung \u00fcbermitteln wir Euch in der n\u00e4chsten Woche. Und Sie m\u00fcssen gleich noch mal zum Armenviertel. Dort m\u00fcssen Sie bei einem Dreh mitmachen f\u00fcr eine Reportage.<\/p>\n\n\n\n<hr>\n\n\n\n<p><strong>2. Akt: <strong>In der Wohnung<\/strong><\/strong>  <\/p>\n\n\n\n<div class=\"alignright is-resized\" style=\"border: 1px solid\"><strong>&nbsp;Handelnde Personen:&nbsp;&nbsp;<\/strong><p>\n<\/p><ul>\n<li>Joseph &#8211; Vater&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Josephine &#8211; Mutter&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Johanna &#8211; Tochter&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n\n\n\n<p><em>Mutter, Vater und Tochter sitzen am Esstisch und unterhalten sich. Das Wohnzimmer sieht heruntergekommen aus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mutter Josephine: Schatz, die DEP wurde wiedergew\u00e4hlt. Nun haben wir die M\u00f6glichkeit, unsere finanziellen Verh\u00e4ltnisse zu verbessern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vater Joseph (<em>frustriert und auf den Tisch hauend<\/em>): Hast du es immer noch nicht verstanden, Josephine? Wir leben \u00fcberhaupt nicht in einer Demokratie! Wir haben \u00fcberhaupt keine Stimme! Glaubst du ernsthaft, dass eine Sperrstunde ab 20 Uhr gut ist? Dass wir getrennt von Arm und Reich leben m\u00fcssen? Und dass eine Mauer zwischen diesen zwei Positionen stehen muss? Dass wir hier in einem Kartenhaus leben m\u00fcssen? Und \u00fcberhaupt setzt sich diese Partei doch immer nur f\u00fcr die Mehrheitsgesellschaft ein. Wer anders ist, der ist dann &#8222;nicht normal&#8220; (<em>sch\u00fcttelt den Kopf<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p>Josephine (<em>sichtlich genervt<\/em>): Du glaubst immer nur an irgendwelche Verschw\u00f6rungen. Wir Deutschen haben ja mit irgendwelchen Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen schon immer ein Problem gehabt, h\u00e4tte jetzt wohl meine geliebte franz\u00f6sische Oma mit einem Augenzwinkern geraunt. Ganz im Ernst, dieses paranoide Denken hat uns doch schon im vergangenen Jahrhundert ins Verderben gest\u00fcrzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Joseph (<em>mit rotem Kopf<\/em>): Du schon wieder. Das, was jetzt passiert, kannst du doch damit gar nicht vergleichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Tochter Johanna: Haltet mal ganz kurz eure Klappe.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Tochter Johanna spricht am Handy.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Johanna (<em>sichtlich genervt<\/em>): Hey, Leute. Ja, hier ist gerade mal wieder mega die Familienkrise. Wegen dem da oben. Und der DEP, ihr wisst schon\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Josephine: Leg das Handy weg!<\/p>\n\n\n\n<p>Johanna: Chill mal, Mom.<\/p>\n\n\n\n<p>Joseph: Johanna, Du bist doch mit 15 Jahren schon gro\u00df. Hilf mir doch mal, die Josephine wieder zu Vernunft zu bringen und sie zur Einsicht zu bringen, dass die DEP eigentlich nichts ist als eine Regierung, die \u00fcberhaupt nicht zur Demokratie f\u00e4hig ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Johanna: Ich werde in dieser verpesteten realen Welt garantiert nichts tun. Die einzige Welt, die f\u00fcr mich wirklich z\u00e4hlt, ist die virtuelle Welt.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Josephine (<em>in einem vers\u00f6hnlichen Ton<\/em>): Bald geh\u00f6ren wir zur Oberschicht, dann haben wir dieses Problem nicht mehr.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Joseph (<em>verdreht die Augen<\/em>): Wer\u2018s glaubt, wird selig.&nbsp;Ernsthaft, das ist doch nur Teil der Propaganda. Wir haben \u00fcberhaupt keine Chance, dort hochzukommen. Das ist nur eine Minderheit, die das auch bleiben m\u00f6chte. Die sagen nat\u00fcrlich, dass viele mit Flei\u00df zu hohem Wohlstand gelangen k\u00f6nnen. Aber fast niemand schafft das \u2013 oder kennst du jemanden pers\u00f6nlich, der aufgestiegen ist? Du sagst nichts? Du glaubst mir nicht. Wei\u00dft du was? Bald wird die Revolution kommen. Und dann wirst du sehen\u2026 Und dann werden wir die Reptiloiden, die dort oben sind, herunterst\u00fcrzen. Und die Oligarchen, die sie dort beeinflussen, noch dazu! Gleich ist eine Demonstration am Sperrzaun zwischen Arm und Reich. Ich nehme jetzt ein Flugtaxi und fliege dorthin.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Joseph ist aufgew\u00fchlt und steht auf. Johanna will sich anschlie\u00dfen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Johanna: Ich komme mit.&nbsp;Das werden meine Follower lieben!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Joseph: Naja, ich wei\u00df ja nicht. Du solltest dann lieber das Handy ausschalten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Johanna: Das Handy ausschalten? Garantiert nicht. Dann bleibe ich lieber hier.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Joseph: Willst du, dass sie uns orten? Und dann sind wir alle in Gefahr.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Johanna (<em>w\u00fctend, winkt ab<\/em>): Dann geh doch alleine hin. Ich bleibe hier und \u00fcberlege mir etwas anderes f\u00fcr meine Follower.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Joseph (<em>entr\u00fcstet<\/em>): Du interessierst dich \u00fcberhaupt nicht daf\u00fcr, was ich hier eigentlich zu sagen habe!<\/p>\n\n\n\n<p>Johanna: Wieso sollte ich?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Joseph (<em>steht auf und greift zur Jacke<\/em>): Ich werde jetzt etwas ver\u00e4ndern. Wenn ihr hierbleiben wollt, dann bleibt hier.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Joseph verl\u00e4sst frustriert das Haus. Josephine schaut weiter Nachrichten und Johanna erz\u00e4hlt ihren Followern vom Geschehenen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n\n\n\n<p><strong>3. Akt:<strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong> <\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong>An den Sperrz\u00e4unen<\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"alignright is-resized\" style=\"border: 1px solid\"><strong>&nbsp;Handelnde Personen:<\/strong><p>\n<\/p><ul>\n<li>Demonstranten&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Frau Schmidt &#8211; Kommissarin&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Joseph &#8211; Vater&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n\n\n\n<p><em>Eine Menge von Demonstranten stehen vor den Sperrz\u00e4unen, die das Armenviertel von dem Reichenviertel trennen. Sie halten Plakate mit Aufschriften wie \u201eNieder mit den Plastik-Reptiloiden!\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Joseph (<em>schreit in die Menge<\/em>): Los, ver\u00e4ndert etwas! Nehmt es in eure H\u00e4nde! Die interessieren sich \u00fcberhaupt nicht f\u00fcr uns! Wir haben keine Chance mehr!<\/p>\n\n\n\n<p>Kommissarin Schmidt: Sie sind nicht registriert. Sie geh\u00f6ren zu den Armen. Gehen Sie wieder umgehend an Ihre Arbeit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Joseph (<em>den Finger auf die Kommissarin zeigend<\/em>): Du St\u00fcck Plastik! Du wirst gleich zerst\u00f6rt werden! Wenn die Revolution \u00fcberhaupt erst startet, dann wird\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Kommissarin Schmidt (<em>bedrohlich<\/em>): Gehen Sie an Ihre Arbeit!<\/p>\n\n\n\n<p>Joseph (<em>weicht zur\u00fcck und senkt den Kopf<\/em>): Lassen Sie mich, ich gehe schon. Dieses eine Mal noch\u2026 <\/p>\n\n\n\n<p>Kommissarin Schmidt (<em>den Kopf sch\u00fcttelnd und mit einem leichten Grinsen auf den Lippen<\/em>): Wer\u2018s glaubt, wird selig.<\/p>\n\n\n\n<hr>\n\n\n\n<p>Redaktion: eh, tm<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Zeitreise-Bericht der Klasse 9.4 des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums vom 23. September 2022 Wir schreiben das Jahr 2045 Deutschland im Jahr 2045. Erneut hat die DEP, die Deutsche Einheitspartei, den Wahlsieg errungen. Unternehmer unterst\u00fctzen seit Jahren die DEP finanziell. 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