{"id":935,"date":"2019-09-20T13:10:37","date_gmt":"2019-09-20T13:10:37","guid":{"rendered":"http:\/\/zeitzeugen-der-zukunft.de\/?p=935"},"modified":"2021-11-05T13:44:22","modified_gmt":"2021-11-05T13:44:22","slug":"szenario-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zeitzeugen-der-zukunft.de\/2019\/09\/20\/szenario-1\/","title":{"rendered":"Willkommen in der Zwei-Klassen-Gesellschaft"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"> <em>Zeitreise-Bericht einer 11. und 12. Klasse des K\u00e4the-Kollwitz-Gymnasiums in Zwickau vom 16. bis 17. September 2019<\/em> <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure><a class=\"alignright is-resized fancybox\" href=\"http:\/\/zeitzeugen-der-zukunft.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Zwickau-Bild-links-oben.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/zeitzeugen-der-zukunft.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Zwickau-Bild-links-oben.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-139\" width=\"228\" height=\"161\"><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wir schreiben das Jahr 2040<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auff\u00e4llig ist vor allem, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander gegangen ist und der Mittelstand deutlich dezimiert wurde. Die Schulen sind nahezu komplett digitalisiert, Bildung ist allerdings ein teures Gut geworden, weshalb Kinder aus \u00e4rmeren Familien nicht dieselben Perspektiven haben, wie der Nachwuchs aus den wohlhabenden Familien. Aufgrund der stetig wachsenden Erfolge in der Medizin gelten Krankheiten, wie z.B. Krebs, so gut wie komplett heilbar. Jedoch ist der Zugang zu entsprechenden Medikamenten nur begrenzt und vor allem eine Frage des Geldes. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies entspricht letztlich dem gesamten Bild des Deutschlands aus dem Jahre 2040. Anstelle der politischen Gesetze regieren die Regeln des Marktes fast alle Bereiche der Gesellschaft. Die allseits verbreitete Automatisierung steht mehr f\u00fcr einen technischen als f\u00fcr einen sozialen Fortschritt. Eine hohe Arbeitslosenrate innerhalb der Bev\u00f6lkerung verst\u00e4rkt den Trend hin zu einer immer weiter wachsenden, abgeh\u00e4ngten und frustrierten sozialen Schicht. In erster Linie sind es die rechtspopulistischen Parteien, die von der Polarisierung der Gesellschaft profitieren und welche in den Bundes- und Landtagswahlen einen Wahlsieg nach dem anderen feiern. <\/p>\n\n\n\n<hr><hr>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Eine Szene, die sich im Jahre 2040 zugetragen hat&#8230;<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n<p><!--EndFragment--><strong>1. Akt: In der Schule<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"alignright is-resized\" style=\"border: 1px solid\"><strong>&nbsp;Handelnde Personen:<\/strong><p><cite><ul><li>Herr Reich \u2013 Lehrer <BR>der Eliteschule K\u00e4the Kollwitz&nbsp;&nbsp;<br><li>Mariam \u2013 reiche Sch\u00fclerin&nbsp;&nbsp;<br><li>Miriam \u2013 reiche Sch\u00fclerin&nbsp;&nbsp;<br><li>Herr Ousman \u2013 Lehrer <BR>an der K\u00e4the-Kollwitz-Schule&nbsp;&nbsp;<br><li>Max \u2013 armer Sch\u00fcler&nbsp;&nbsp;<br><li>Moritz \u2013 armer Sch\u00fcler&nbsp;&nbsp;<\/li><\/ul><\/cite><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>An einer Schule im\nNorden von Zwickau.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herr Reich: Herzlich willkommen in der Eliteschule K\u00e4the Kollwitz in Zwickau. Ihr steht jetzt kurz vor Eurem Abschluss. Mit dieser hohen Schulbildung, die ihr hier genossen habt, k\u00f6nnt ihr die besten Universit\u00e4ten in Deutschland und der ganzen Welt, wie z.B. Harvard oder Oxford, besuchen. (<em>Sch\u00fcler reden ziemlich laut<\/em>) K\u00f6nnt Ihr bitte kurz ruhig sein? (<em>Sch\u00fcler zeigen sich genervt<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herr Reich: Ihr k\u00f6nnt gl\u00fccklich sein, dass Ihr an dieser\nSchule seid, allein durch unseren Namen werdet Ihr \u00fcberall angenommen. Was sind\nEure Pl\u00e4ne? <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Miriam: Ich geh nach Oxford, ich bin schlie\u00dflich schlau (<em>grinst<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mariam: Ich gehe lieber nach Harvard. Geht klar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Nur wenige Hundert Meter entfernt im S\u00fcden der Stadt: Der Oberstufenberater kommt rein und die Sch\u00fcler stehen auf. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herr Ousman: Herzlich willkommen in der\nK\u00e4the-Kollwitz-Schule. Ihr steht jetzt kurz vor Eurem Abschluss. Wie Ihr\nsicherlich schon wisst, werdet Ihr es sehr schwer haben, da andere Schulen\ndeutlich bessere Bedingungen haben. Aber ich glaube, ihr werdet es schaffen,\neinen Beruf zu bekommen (<em>schaut<\/em> <em>zuversichtlich in die Runde<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Moritz: Wir strengen uns seit 10 Jahren in der Schule an und\nopfern unsere Freizeit f\u00fcr die Bildung und jetzt stehen wir hier und m\u00fcssen um\neinen Job bangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herr Ousman: Es tut mir wirklich leid f\u00fcr Euch, aber ich kann das nicht \u00e4ndern, dass wir hier nicht die gleichen Chancen haben.<\/p>\n\n\n\n<hr>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Akt: Im Krankenhaus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"alignright is-resized\" style=\"border: 1px solid\"><strong>&nbsp;Handelnde Personen:<\/strong><p><cite><ul><li>Herr Dr. Fischer \u2013 Chefarzt&nbsp;&nbsp;<br><li>Karla \u2013 Krankenschwester&nbsp;&nbsp;<br><li>Herr Kaufmann \u2013 armer Patient&nbsp;&nbsp;<br><li>Frau Kaufmann \u2013 Ehefrau des Patienten&nbsp;&nbsp;<br><li>Herr Schneider \u2013 reicher Patient&nbsp;&nbsp;<\/li><\/ul><\/cite><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der Arzt und die Krankenschwester\nKarla betreten das Krankenzimmer. Der Arzt geht zu Herrn Kaufmann.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herr Dr. Fischer:&nbsp;Guten Tag, Herr Kaufmann, wie geht\u2019s Ihnen heute?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herr Kaufmann: Den Umst\u00e4nden entsprechend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herr Dr. Fischer: Jedoch habe ich neue Nachrichten f\u00fcr Sie,\nes gibt ein Medikament gegen Blutkrebs. Allerdings kostet das 300.000 Euro. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herr Kaufmann: Das kann ich leider nicht bezahlen (<em>traurig<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frau Kaufmann: Sie k\u00f6nnen doch meinen Mann nicht hier liegen\nund sterben lassen (<em>weint<\/em>)!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herr Dr. Fischer: Da sind mir leider die H\u00e4nde gebunden. Wissen\nSie, das Medikament wurde \u00fcber 20 Jahre erforscht und getestet, wir verdanken\nes der neusten Biotechnik aus China. Doch diese Forschungskosten m\u00fcssen nun\n\u00fcber den Preis wieder eingenommen werden. Daher ist es tats\u00e4chlich sehr, sehr\nteuer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der Arzt geht zu Herrn Schneider.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herr Schneider: Habe ich es richtig verstanden, dass Sie ein\nMittel gegen meine Krankheit haben?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herr Dr. Fischer: Ja, genau, es ist seit heute auf dem Markt. Unter Kollegen fieberten wir diesem Tag lange entgegen (<em>zwinkert ihm zu<\/em>). Sie k\u00f6nnen sich 300.000 Euro sicher leisten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herr Schneider: F\u00fcr meine Gesundheit ist mir nichts zu\nschade. Die Summe ist kein Problem f\u00fcr mich (<em>mit gewissem Stolz<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die Krankenschwester\nbietet ihm Wasser an, er nimmt es an. Der Doktor dreht sich weg Richtung T\u00fcr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herr Schneider: Ach, Herr Doktor, ich \u00fcbernehme \u00fcbrigens die\nKosten des kranken Patienten neben mir. Ich helfe doch gerne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Frau Kaufmann bricht in Tr\u00e4nen aus und umarmt den ihm eigentlich v\u00f6llig fremden Herrn Schneider, der etwas betreten ihr Trost spendet. Herr Kaufmann bedankt sich mit einem kr\u00e4ftigen H\u00e4ndedruck und l\u00e4dt nach Genesung zu sich ein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3. Akt: Auf einer B\u00fcrgersprechstunde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"alignright is-resized\" style=\"border: 1px solid\"><strong>&nbsp;Handelnde Personen:<\/strong><p><cite><ul><li>Philipp Amthor \u2013 CDU-Politiker&nbsp;&nbsp;<br><li>Wutb\u00fcrger 1&nbsp;&nbsp;<br><li>Wutb\u00fcrger 2&nbsp;&nbsp;<br><li>Wutb\u00fcrger 3&nbsp;&nbsp;<br><li>Wutb\u00fcrger 4&nbsp;&nbsp;<\/li><\/ul><\/cite><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der bekannte CDU-Politiker Philipp Amthor gibt seine allw\u00f6chentliche &#8222;mobile B\u00fcrgersprechstunde&#8220; unter gewohnt gro\u00dfer medialer Beachtung &#8211; dieses Mal in Zwickau. Im Hintergrund erschallen laute Rufe mit kaum zu \u00fcberh\u00f6rendem s\u00e4chsischem Akzent: <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Masse: Volksverr\u00e4ter, Volksverr\u00e4ter!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Philipp Amthor: Ich hei\u00dfe Sie herzlich willkommen zu meiner \u2013\nnun ja, ich darf wohl sagen \u2013 beliebten B\u00fcrgerstunde zur aktuellen politischen\nLage. Ich beantworte Ihnen jede Frage, daf\u00fcr bin ich hier (<em>l\u00e4chelt selbstzufrieden in die eher unruhig wirkende Menschenmenge<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wutb\u00fcrger 1: Orr, die ganzen Ausl\u00e4nder! Mittlerweile sind es\n10 Millionen, das kann nicht so weitergehen. Zusammen mit den Robotern nehmen\nsie uns alle Jobs weg. Was soll das?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Philipp Amthor: Laut Statistischem Bundesamt sind es nur 8,95 Millionen Ausl\u00e4nder \u2013 und damit deutlich weniger als moderne Personalroboter in Deutschland (<em>blickt mahnend den Frager an<\/em>). Und die Arbeit der Ausl\u00e4nder w\u00fcrden Sie wohl bestimmt nicht verrichten wollen, oder? Das zu diesem Thema. Und was die Roboter betrifft, bin ich auch skeptisch. Wollen Sie mir allen Ernstes erz\u00e4hlen, Sie w\u00fcrden Ihren ganzen Haushalt allein machen wollen? Ihre Frau hat dazu jedenfalls bestimmt keine Lust (<em>l\u00e4chelt zufrieden mit seinem Witz in die Runde<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wutb\u00fcrger 2: Wir hatten mal eine soziale Marktwirtschaft.\nDie gibt es jetzt nicht mehr, denn heute verdienen sich die Unternehmer dumm und\nd\u00e4mlich. Und wir, die Bev\u00f6lkerung, haben zu tun, dass wir \u00fcber die Runden\nkommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Philipp Amthor: Ich verstehe Sie! Auch ich bin ein gl\u00fchender\nAnh\u00e4nger einer sozialen Marktwirtschaft. Doch mussten wir die Ausrichtung der\nStaatsausgaben an die neuen Gegebenheiten anpassen. Die Lizenz f\u00fcr moderne\nRobotik kostet dem Staat Milliarden. Anderseits verdienen wohl auch Sie\ndeutlich mehr als vor 10 Jahren!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wutb\u00fcrger 2: Bei der Inflation ist das ja wohl auch kein\nWunder!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Philipp Amthor ignoriert den Zwischenruf bewusst und wendet sich einer Frau mittleren Alters zu.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wutb\u00fcrgerin 3: Meine Tochter strengt sich seit 10 Jahren an,\nhat keine Freizeit, daf\u00fcr aber Angst, dass sie keinen Job bekommt und auf\nsoziale Leistungen angewiesen sein wird. Dr\u00fcben auf der Eliteschule bekommen\nsie alle eine gute Ausbildung und sp\u00e4ter Studienpl\u00e4tze. Das ist doch einfach\nunfair!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Philipp Amthor: Daf\u00fcr haben wir ja unsere vielen Deutschland-Stipendien.\nWer was kann, der steigt auf!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wutb\u00fcrgerin 3: Pah, das sind doch Tropfen auf den hei\u00dfen\nStein!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Abermals wird die\nR\u00fcckfrage ignoriert. Der Manager will die Veranstaltung beenden, doch Amthor\nl\u00e4sst gro\u00dfz\u00fcgig eine letzte Frage zu.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wutb\u00fcrgerin 4: Meine Tochter hat Krebs und noch vor 20 Jahren hat unsere Krankenkasse uns unterst\u00fctzt. Jetzt sind wir auf uns alleine gestellt. Wann schaffen Sie denn endlich die Zwei-Klassen-Gesundheitspolitik ab?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Philipp Amthor: Diese Frage habe\nich des \u00d6fteren mit Experten diskutiert. Die privaten Krankenkassen sind\neinfach effizienter und wen die aufnehmen \u2013 daf\u00fcr kann ich nun wirklich nichts\n(<em>produziert ein gewinnendes L\u00e4cheln<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Er bedankt sich, beendet das Gespr\u00e4ch und geht.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeitreise-Bericht einer 11. und 12. Klasse des K\u00e4the-Kollwitz-Gymnasiums in Zwickau vom 16. bis 17. September 2019 Wir schreiben das Jahr 2040 Auff\u00e4llig ist vor allem, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander gegangen ist und der Mittelstand deutlich dezimiert wurde. 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